Stadtwanderung in Bad Salzungen

Führung der Hörselberggemeinde e.V. durch die Stadt des Salzes

Sonntag, 24. Januar 2016 - Eigentlich hatten wir vor, die kleine Stadt Waltershausen zu besuchen. Da aber das Schloss im Januar nicht geöffnet ist, wird der Besuch der Stadt mit einer Wanderung am Schlossberg auf den Frühling verschoben.

Kurzentschlossen wurde eine Stadtwanderung in Bad Salzungen organisiert, da wir ja auch dort nicht alle Tage hinkommen. 15 wanderfreudige Nachbarn trafen sich pünktlich am Bahnhof Eisenach, die Fahrkarten hatte unser Udo auch schon geholt. Um 9.15 Uhr fuhr unser Zug und bereits um 9.45 Uhr waren wir vor Ort. Am Bahnhof in Bad Salzungen kam unser Nachbar Rolf Karowsky dazu, er hatte dieses Mal Heimvorteil. Wir begaben uns gleich zur Tourist-Info, und eröffneten unseren „Wandertag" mit einem Gläschen Johannesbeerenlikör, das war der sogenannte Begrüßungsschluck.

Gleich darauf öffnete die Tourist-Information, denn dort wurden wir bereits von unserer Stadtführerin, Frau Bergmann, erwartet. Nach Entrichtung der Gebühr für die Stadtführung und das Museum konnte es losgehen. Frau Bergmann erläuterte kurz die Geschichte von Bad Salzungen, deren Ursprung ja in der Salzgewinnung liegt. Erstmalig urkundlich erwähnt wurde Bad Salzungen im Jahre 775. Ende des 16. Jahrhunderts nahm die Salzgewinnung einen deutlichen Aufschwung, als man begann, in Gradierwerken durch das Abrieseln an Stroh- (später Reisig-) wänden den Salzgehalt der Sole vor dem Siedeprozess zu erhöhen. Die Gradierwerke wurden später zum Inhalieren genutzt, als man erkannte, welche heilende Wirkung die Sole bei Atemwegs- bzw. Hauterkrankungen hatte. 1801 konnte man den ersten Kurgast begrüßen, und das erste Kurhaus wurde 1851 eingeweiht.

Unsere Führung begann auf dem Gelände der Kureinrichtung mit dem Gradierwerk. Wer wollte, konnte das heilende Nass auch verkosten, aber der Bedarf war nicht groß, da jeder wusste, dass das Salzwasser wie „eingeschlafene Füße" schmeckt. Nur unsere Marga, von Haus aus neugierig als ehemalige Biolehrerin, hat einen Becher voll probiert. Vom Gradierwerk aus begaben wir uns in die Stadt und hielten vor dem imposanten, mit vielen Ornamenten reich verzierten hennebergischen Fachwerkgebäude, der Kinderklink „Charlottenhall", an. Diese wurde 1897 unter der Schirmherrschaft der Erbprinzessin von Preußen, Herzogin Charlotte von Sachsen-Meiningen als Heilstätte für arme und bedürftige Kinder erbaut. Weiter ging es zur Stadtkirche, die an der Stelle der im Jahre 1112 erbauten "St. Simplicius" - Kirche steht. Mit der Reformation wurde die Kirche evangelisch. 1786 brannte diese nieder, wurde danach im Inneren aber im Barockstil wieder aufgebaut. Die Reger-Orgel wurde damalig vom Meininger Herzog Georg II. gestiftet.

Diese Kirche hat eine Besonderheit, denn sie ist die erste Kirche in Südthüringen, die vom NABU die Auszeichnung „Lebensraum Kirchturm" im November 2008 erhielt. Seit 1983 nisteten bis zu 18 Brutpaare Dohlen, im Kirchturm, auch Turmfalkenbrutpaare und Schleiereulen hat man beobachtet. Dies wurde bei der Sanierung des Kirchturms und der Fassade des Kirchenschiffs 1992/93 berücksichtigt.

Unser nächstes Ziel war das Rathaus, das 1289 als erstes Ratsgebäude errichtet wurde. Zwei Stadtbrände vernichteten das Gebäude immer wieder. Das heutige Rathaus stammt aus dem Jahre 1790 und ist Sitz der Stadtverwaltung der thüringischen Kreisstadt Bad Salzungen. Unweit vom Rathaus befindet sich der „Haunsche" Hof (abgeleitet von Henneberger Hof), der 2007-2010 umfangreich saniert wurde und der das Standesamt sowie ein Cafe und Ausstellungsräume der Kureinrichtung beherbergt. Von dort aus waren es wenige Schritte bis zum Burgsee, der südlich der Altstadt liegt und von zahlreichen Kureinrichtungen, Kliniken und dem Rathenaupark umgeben ist.

Im Café Bein wurde der Salzunger Volksdichter Christian Ludwig Wucke geboren. Einst war das Café Bein das erste Haus am Platz. Nun ist das Kaffeehaus am Markt in Bad Salzungen geschlossen.
Ein Rundweg, die Uferpromenade, führt ca. 1,2 km um den See herum, der stellenweise bis zu 25m tief ist. Der See hat keinen sichtbaren Zu- und Ablauf, sondern wird nur durch das Grundwasser und durch Niederschläge gespeist. Leider hatten wir nicht so viel Zeit, den kleinen See zu umrunden, denn die Mittagszeit war heran und wir hatten in der Gaststätte „Kartoffelkäfer" bestellt. Zuvor wurde aber auch noch einmal Halt auf dem „Nappenplatz" gemacht (das Wort stammt von Napf).

Der Nappenplatz ist der Ursprung von Bad Salzungen, hier siedelten bis in das 4. Jahrhundert die Kelten am Seeufer. Diese waren vermutlich auch die Entdecker der salzhaltigen Quellen im Areal des heutigen Nappenplatzes und begannen mit der Herstellung von Salz. Da Salz eine kostbare Ware war, gab es ständig Kampf um diese salzhaltigen Quellen. Die Franken errichteten später eine Befestigungsanlage am Seeufer, die „Schnepfenburg". Ab 1150 wurden die Salzgeschäfte der Saline zum wichtigsten Wirtschaftsgut des Klosters Fulda. Bis zu 12 Siedehütten, die sogenannten Salznappen, standen auf dem heutigen Nappenplatz. Dort wurde das salzhaltige Wasser in Tonkrügen oder eisernen Pfannen verdampft, das war eine schwere und aufwendige Arbeit. Vieles hätte unsere Stadtführerin Frau Bergmann noch berichten können, aber nach zwei Stunden Stadtwanderung meldete sich der Hunger.

Wir bedankten uns für die informative Führung, verabschiedeten uns an dieser Stelle und begaben uns zum Gasthaus „Kartoffelkäfer", wo wir reserviert hatten und sehr gut speisten. Besonders muss man die zuvorkommende und freundliche Art des Personals dieser Gaststätte erwähnen. Gut gesättigt und zufrieden, aber mit etwas Verspätung trafen wir in dem kleinen Museum ein und wurden schon zu einem Rundgang erwartet. Hier konnten wir anhand von Bildern und Exponaten den Prozess der Salzherstellung  nachvollziehen. Auch erfuhren wir viel über die Anfänge des Kurbetriebes in Bad Salzungen. Um 15.15 Uhr gingen wir in Richtung Bahnhof und fuhren nach Eisenach zurück. Es war ein sehr interessanter Ausflug nach Bad Salzungen. Danke an die Organisatoren Hannelore und Hajo!

   
Nachbarin Hanne