Besichtigung des Lutherhauses
Hörselberggemeinde e.V. auf den Spuren von Martin Luther
Eisenach, 28. Februar 2016 - Erst im vorigen Jahr war das Lutherhaus umgestaltet und erweitert worden. Das war notwendig geworden, weil für 2017 zum 500-jährigen Jubiläum des Wittenberger Thesenanschlages Luthers eine große Zahl von Besuchern hier erwartet wird.
Unser Wander- und Heimatverein, die Hörselberggemeinde e.V. besuchte an diesem noch kühlen Februarsonntag auch das Lutherhaus. Wir waren 21 Personen. Am Haus waren noch Werkzeughütten der Bauarbeiter zu sehen.
Zu Beginn besuchten wir eine Schulstunde, wie sie zu Zeiten Luthers üblich war. Wir staunten nicht schlecht, dass wir zu 15-jährigen Jungen wurden und auch entsprechende Namen bekamen. Mädchen war es damals nicht erlaubt, eine Schule zu besuchen. Die Knaben hatten hatten schon am frühen Morgen in der Schule zu erscheinen - nach einer kurzen Mittagspause war bis zum Nachmittag Unterricht, und das von Montag bis Samstag. An Sonn- und Feiertagen durften sie den Gottesdienst gestalten. Natürlich kostete der Schulbesuch an der Lateinschule eine Menge Geld.

Lateinische und deutsche Worte an der Schultafel, daneben ein Kinderlied in lateinischer Sprache.

Wir nahmen im Klassenraum Platz, nachdem wir das Schulgeld in Form von Kerzen bezahlt hatten, und wurden vom Lehrer mit "Salve discipuli" begrüßt. Antworten mussten wir mit "Salve magister". Gisela Büchner war in die Rolle des Lateinlehrers geschlüft. Sabine aus unserer Gruppe stellte den jungen Martin Luther dar. Die Klasse bestand aus mehreren Haufen - das waren die Schüler der verschiedenen Altersstufen. In der Stunde durfte man nur reden, wenn der Lehrer (magister) den Schüler (discipulus) dazu aufgefordert hat. Es wurde latein geredet - deutsch war auch in der Pause nicht erlaubt. An jedem Tag wurden zwei lateinische Worte und deren deutsche Bedeutung gelernt. Um die Disziplinlosigkeit und Faulheit der Lateinschüler zu überwachen, wurde ein Schüler als Wolf (lupus) bestimmt - er führte eine Strichliste der Vergehen. Der dümmste und faulste Schüler bekam am Ende des Unterrichts einen Eselskopf aufgesetzt - er war der Esel (asinus).
Wir sangen auch das Lied "Hänschen klein" in lateinischer Spache und rechneten mit Steinen und Rechenlinien. Der Gesang war wichtig für die Knaben, denn sie mussten sich damit etwas Geld verdienen. Martin Luther selbst konnte sehr gut singen. Frau Cotta war von Martin so entzückt, dass sie ihm für drei Jahre ein Zimmer in ihrem Haus gab. Auch unsere Schulstunde endete mit der Bestimmung eines Esels. Das fanden wir alle sehr lustig. Danach sahen wir uns die Ausstellung über Luther und die Reformation an.
Im Anschluss wurden wir von Peter Arends über den Marktplatz und einige Seitengassen geführt, wo er uns einige Orte zeigte und die Ereignisse um 1500 erklärte. Im Storchenturm bekamen wir nun ein wohlschmeckendes Mahl serviert. Dieser Tag mit vielen neuen Eindrücken wird uns noch lange in Erinnerung bleiben. Er war von Steffi und Udo vorbereitet worden.
  

U. Heyl